30 Platten in 30 Tagen aus 2 Sammlungen aus einem Haushalt, Tag 15: Fehlfarben, Glut und Asche

A Challenge: 30 Platten in 30 Tagen / 30 records in 30 days Fehlfarben, Glut und Asche

30 Platten in 30 Tagen geht in die fünfzehnte Runde. Jenseits der Tür warten Agenten in Raucherkinos

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Platte überhaupt in die 30 Tage mit aufnehmen sollte. Als ich mir die verschiedenen Lieder angehört habe, ist mir aufgefallen warum ich sie über die ganzen Jahre hinweg verdrängt habe. Im Gegensatz zu den beiden ersten Alben 33 Tage in Ketten und Monarchie und Alltag fällt dieses Album deutlich ab. Das war der Wendepunkt der Gruppe Fehlfarben und ab da haben sie mir nicht mehr wirklich gefallen. Insofern ist diese LP ein Trauer – Meilenstein, ein Abgesang auf die ehemalige musikalische Genialität der Band.

Dazu gibt es eine wahnsinnig nette Geschichte. Als ich 2017 auf dem love Island Festival in Bad Abbach war, lernte ich dort Tigerskin kennen, der nicht arg viel jünger ist als ich. Wir unterhielten uns von Anfang an sehr gut und tauchten selbstverständlich nach kurzer Zeit in unsere musikalische Vergangenheit ein. Dabei ergab sich ein ganz magischer Moment, beim Stichwort Fehlfarben kam wie aus der Pistole geschossen „Paul ist tot“ und ich ergänzte „kein Freispiel drin“. Ich warf dann einen Satz aus einem anderen Song in die Runde „es liegt ein Grauschleier über der Stadt“, den Tigerskin mit folgenden Worten ergänzte: „den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat“. Wir kannten beide noch nach so vielen Jahren die Texte auswendig.

Wow, wir standen beide – wie kleine Kinder vor dem Weihnachtsbaum – mit leuchtenden Augen da und tauchten nach diesen vier Sätzen ganz tief in unsere Jugend ein und freuten uns an der gemeinsamen Begeisterung für Fehlfarben. Diesen Moment werde ich nie vergessen, 2:00 Uhr in der Nacht in Bad Abbach.

Zurück zur „Glut und Asche“. Sie ist nicht schlecht, aber eben ein Abschied von den alten Fehlfarben.

Hier einige Kostproben der alten Fehlfarben:

Stay tuned

30 Platten in 30 Tagen aus 2 Sammlungen aus einem Haushalt, Tag 14: Nichts, Debütalbum

A Challenge: 30 Platten in 30 Tagen/30 records in 30 days, Nichts Debütalbum

30 Platten in 30 Tagen geht in die vierzehnte Runde. Lieber Gott ich wünsch mir so meine Stimme im Radio. In den Charts Nummer Vier, alle sind so nett zu mir.

Diese ersten Zeilen aus dem ersten Lied auf der A-Seite dieser LP haben mich nicht nur durch meine Jugend begleitet, sondern auch bis in die Jetztzeit hinein. O. k., böse Zungen werden behaupten es ist punkiges Tralala, Neue Deutsche Welle eben. Teilweise sind die Texte zum Schießen, teilweise blitzt sogar etwas Tiefgang durch. Im Gegensatz zu Alien Sex Fiend ist es einfach-seichter Deutschpunk mit einem anständigen Schuss infantilen Blödsinn.

Wahrscheinlich liebe ich deswegen diese LP. Nicht nur, dass sie mein kindliches Gemüt anspricht, sondern auch weil so viele Erinnerungen mit den Liedern verbunden sind. Ich habe die letzten eineinhalb Dekaden nach ihr gesucht, aber sie ist weder als CD noch als legaler elektronischer Download zu haben. 2020 habe ich sie wieder gekauft, nach über 30 Jahren wieder eine echte Vinylplatte. Bei einem Freund digitalisiert und seither gehegt, gepflegt und gehutscht.

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30 Platten in 30 Tagen aus 2 Sammlungen aus einem Haushalt, Tag 13: Alien Sex Fiend, Acid Bath

30 Platten in 30 Tagen / 30 records in 30 days. Alien Sex Fiend, Acid Bath

30 Platten in 30 Tagen geht in die dreizehnte Runde. A trip to the moon or goodbye and smoke your bones?

ASF waren von Anfang an eine ziemlich schräge Truppe mit einem ausgeprägten morbiden Humor. Vielleicht waren sie aber einfach nur kreativ? Oder durchgeknallt? Auf jeden Fall haben sie es geschafft, mehrere verschiedene Welten miteinander zu verbinden: Punk, synthesizerlastige, experimentelle Musikrichtungen, darstellende Kunst (die Plattencover wurden von Nik Fiend in der Regel selber gestaltet) und eine skurrile Bühnenperformance. Und genau das hat mir von Anfang an imponiert. Für mich ist die Band ein Meilenstein in der Musikgeschichte, fast schon künstlerische Avantgarde.

Ein kommerzieller Erfolg in der Breite war ihnen von Anfang an verwehrt, dazu waren sie einfach zu extrem, zu exaltiert und auch zu destruktiv. Wer Lust und Laune hat, kann er mal die verschiedenen Texte studieren, hier ein typisches Beispiel aus dem Track „breakdown and cry“: „Breakdown is on it’s way. Breakdown in the month of May. Breakdown and cry, lay down and die. Goodbye, goodbye.“ Nicht jedermanns Humor, aber was soll’s. Wenn ich so über die aktuelle Situation nachdenke, dann könnte die Hymne für Online-Vorlesungen der Track „My brain is in the cupboard, above the kitchen sink werden“. Nun kann sich jeder denken was er will :).

Ich feier ASF immer noch und habe mir deswegen sukzessive einige CDs und viele elektronische Downloads beschafft.

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30 Platten in 30 Tagen aus 2 Sammlungen aus einem Haushalt, Tag 10: The Damned, Debütalbum

A Challenge: 30 Platten in 30 Tagen/30 records in 30 days: Damned, Debut Album

30 Platten in 30 Tagen geht in die zehnte Runde. Mein Fanclub wartet auf neue Rosen.

Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, als ich in unserem öden Supermarkt in der öden Plattenecke auf einmal auf dieses abgefahrene Plattencover stieß. Nach dem genauen Studium der Rückseite war mir klar, dass ich dieses gute Stück unbedingt haben muss. Obwohl mit jeder Platte ungefähr 1/5 meines Taschengeldes weg war, ging ich das Risiko ein und kaufte sie, ohne vorher reingehört zu haben.

Daheim auf den Plattenspieler geschmissen, Bauklötze gestaunt (bzw. gehört) und eine radikale musikalische Zeitenwende eingeläutet. Vor dem Kauf war ich noch mit langen Haaren (wehe einer lacht) unterwegs und hörte vor allem Reggae. Danach änderte sich ziemlich alles: die Haare kurz geschoren, die 50er-Jahre-Schuhe (spitz und hässlich) meines Vaters ausgepackt und meiner Mutter alle Sicherheitsnadeln geklaut. Hurra, ich war ein Punk! Mich faszinierte einfach damals die Möglichkeit, trotz fehlendem Können so etwas ähnliches wie Musik zu produzieren.

Dieser radikalen Wende fielen leider auch einige meiner Platten zum Opfer, zum Beispiel die „Babylon by Bus“ von Bob Marley, die „Joe’s Garage“ und die „Live in New York“ von Frank Zappa. Als echter Punk hatte man selbstverständlich solche Platten nicht in der Sammlung. Ein Jahrzehnt später hat es mir leid getan, aber inzwischen besitze ich sie wieder als CD oder als Download.

Stay tuned

30 Platten in 30 Tagen aus 2 Sammlungen aus einem Haushalt, Tag 9: Simple Minds, Sister Feelings Call

30 Platten in 30 Tagen/30 records in 30 days: Simple Minds, Sister Feelings Call

30 Platten in 30 Tagen geht in die neunte Runde. Lass uns große Versprechen, große Städte und große Nationen mit einem Klangteppich zudecken.

Machen wir’s heute auch wieder kurz, knapp und knackig. Nachdem Klaus Schulze mit seinen sphärischen Synthesizerklängen den ersten Funken gezündet hat, fing ich mit zwei Bands so richtig Feuer, eine davon waren die Simple Minds. Ich war lange am überlegen ob ich nicht die „Sons and Fascination“ in die 30 Tage hineinnehmen sollte, habe mich aber doch für die „Sister Feelings Call“ entschieden. Warum? Diese Platte ist aus einem unerfindlichen Grund untrennbar mit einem meiner Lieblingsfilme verbunden, Alien. Meiner Meinung nach hätten die zwei folgenden Lieder perfekt zur Atmosphäre des Films gepasst: Theme for great cities und 20th century promised land.

Stay tuned

30 Platten in 30 Tagen aus 2 Sammlungen aus einem Haushalt.

30 Platten in 30 Tagen aus zwei Sammlungen aus einem Haushalt.
30 Days, 30 vinyls out of two collections out of one houshold

Normalerweise stehe ich solchen Challenges sehr kritisch gegenüber, aber über diese Nominierung habe ich mich richtig gefreut. 1. es hat etwas mit Musik zu tun und 2. ich kann wieder in meiner musikalischen Vergangenheit stöbern. Am Anfang dachte ich, dass dies eine relativ einfache Sache wird. In den Keller gehen, kurz die Sammlung sichten und die interessantesten Stücke in den nächsten 30 Tagen vorstellen. Am Samstag – nach der Nominierung – bin ich in den Keller verschwunden und wurde erst gestern Abend wieder gesichtet. Ausgehungert und dem verdursten nahe. War doch nicht so einfach. Denn manche Platten finde ich jetzt schlicht und einfach grausam, andere Platten haben mir zwar früher einmal gefallen, aber jetzt ordne ich sie unter die Kategorie belangloses, musikalisches Blablabla ein.

Interessant war für mich, was ich alles wiedergefunden habe, denn meine Platten stehen seit dem Umzug von Forchheim nach Deggendorf (2000) im Keller. Ich habe letztes Jahr im Oktober 2 meiner Lieblingsstücke zu einem Freund mitgenommen, um sie mithilfe seiner Anlage zu digitalisieren. Die sind selbstverständlich auch mit dabei. Interessant war auch, dass ich manche Künstler im Verlaufe der Jahre vollkommen vergessen habe und beim Anhören auf iTunes (Plattenspieler habe ich keinen mehr) feststellte, dass die ja noch richtig gut sind. Damit wird Apple wieder etwas Umsatz machen. Genug der Einleitung. Morgen geht es los, mit einer meiner ältesten Platten.

Stay tuned.

Alien Sex Fiend oder wie man Punk und Elektronik verheiratet

Nach Human League kam lange kein elektronischer Meilenstein mehr. O.k., es gab einige Neue Deutsche Welle/New Wave Bands, die mich begeistert haben, aber rückblickend einen musikalischen AHA-Effekt hatte ich erst wieder mit der britischen Band Alien Sex Fiend. Eine ganz verwegene Kombination aus Punk, Synthesizersounds und Drumcomputer. Vor allem die düsteren Texte hatten es mir angetan, hier ein Auschnitt:

*Breakdown is on it’s way* 
*Breakdown in a month or a day* 
*Breakdown and cry, lay down and die* 
*Goodbye, goodbye.*

Irgendwie war es damals richtig cool, diese destruktiven Texte mit Begeisterung auswendig zu lernen und als ihn als Kontrapunkt zur ganzen, heilen Popper-Welt setzen. Ich kann Sie immer noch und der Song („Breakdown and Cry“) ist immer noch einer meiner absoluten Favoriten. Aber der absolute Knaller auf der LP war „E.S.T. Trip to the Moon“. 1984 war dieser Track ziemlich lange in den britischen Independent Charts vertreten und ich feier ihn bis heute. Viel Spaß beim Anhören.

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